Höngger Fächer

Verbürgte Informationen für informierte Leserinnen und Leser

Bei der geballten Informationsflut aus Social Media fällt es schwer, zu unterscheiden zwischen

  • sich in Windeseile verbreitenden Gerüchten unter interessierten, teilweise durchaus wohlmeinenden Teilnehmern,
  • gezielten "fake news" (damit sind nicht einfach falsche Aussagen gemeint, sondern gezielt erfundene Behauptungen, mit denen die Meinungsbildung manipuliert werden soll),
  • hemmungslosen Beschimpfungen seitens emotionalisierter, aber aus echter Überzeugung handelnder Streithammel,
  • industriell arbeitenden Troll-Fabriken im Auftrag Dritter,
  • Echokammern sich gegenseitig verstärkender Wahnideen,
  • computergesteuerten „Bots“, hinter denen kein Individuum steht, aber auch
  • Unerfahrenheit in Sachen Recherche und Prüfung der Glaubwürdigkeit von Quellen durch schnellfingrige Gelegenheits-Publizisten (also uns alle).

Dem herkömmlichen Modell des recherchierenden Verlegerjournalismus wird – trotz kurzfristiger Gegentrends – immer mehr der Boden entzogen. Durch die schnelle, vielfältige und "kostenfreie" Verbreitung von Informationen durch die sozialen Medien werden Zeitungsabos, die auf Lesertreue und den gedruckten Exemplaren von gestern basieren, ebenso wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in immer kleinere Nischen gedrängt. Den Verlegern ist es trotz wiederholter Bemühungen und anderslautender Behauptungen nicht gelungen, ein attraktives, digitales Business-Modell zu entwickeln. Sie überlassen dies Plattform-Riesen wie Facebook und Google. Was der Musikbranche durch MP3 widerfahren ist, steht den Zeitungen noch bevor.

Gleichzeitig ertönt der Ruf nach Qualität und Zuverlässigkeit von Informa­tion. Allerdings: Jeder versteht etwas anderes unter Qualitätsjournalis­mus, und naive Vorschläge zum Kampf gegen "fake news" schlagen leicht in Zensur um bzw. leisten staatlichen Zensurbegehren Vorschub.

Trotzdem muss man sich über Informationsqualität Gedanken machen. Gute Infor­ma­tionen sind erhältlich. Es gibt gut arbeitende Journalisten, und es gibt Leute, die guten Journalismus erkennen, wenn sie ihn sehen. Diesem Journalismus zu helfen, besser wahrgenommen zu werden (ohne Zensur oder Anspruch auf Ausschließlichkeit), ist ein guter Schritt gegen den Zerfall unserer Informations- und Debattenkultur. Wie gesagt: was für die Eine guter Journalismus, ist für den Anderen billige Demagogie.

Eines können wir von Facebook lernen: die (empfundene) Relevanz von Meldungen hängt von der Beziehung ab, die wir zu denjenigen haben, die uns diese vermitteln. Der Haken: Das System von „Facebook-Freunden“, „Shares“ und „Likes“ blendet die Dimension der Informationsqualität gänzlich aus. Dies fördert die Verbreitung von Informationsmüll und zieht uns in einen Informations-Sumpf, aus dem wir uns nur mit Anstrengung wieder befreien können.

Wenn man gegen Zensur ist, und eine Rückkehr zur guten alten Verlegerdominanz ausschliesst, was kann man dann tun?

Hier setzt der Höngger Fächer ein.

Das Wirkungsprinzip des Höngger Fächer ist "verbürgte Information": die Empfehlung durch einen vertrauenswürdigen, gut informierten Menschen. Das ist subjektiv. Es gibt aber objektive Merkmale: gute Recherche, korrekte Quellenangaben, nachvollziehbare und begründete Schluss­folgerungen (auch wenn man nicht zwingend mit ihnen übereinstimmt). Der Kern des Projekts ist eine Gemeinschaft von Reviewern, die – was viele bereits tun – gute Inhalte empfehlen. Ihre Empfehlungen gehen dann nicht in der allgemeinen Social-Media-Kakophonie unter, sondern stehen im Zusammenhang mit anderen interessanten Rezensionen.

Die Leserinnen und Leser wählen sich aus der Gemeinschaft von Reviewern und aus den angebotenen Themen ihre Präferenzen aus. So stellen sie sich – unabhängig von den Datenkraken des Internets – ihr persönliches Online-Journal zusammen.

Der Höngger Fächer setzt sich ein für eine um Wahrheit ringende Debatten­kultur. Er bietet gesellschaftliche und politische Hintergrund­information: Was sollte man wissen, um die Ereignisse auf der politi­schen Bühne einzuordnen? Kulturelle und technolo­gische Themen einge­schlossen. Verschwörungstheorien und verleumderische Anwürfe haben keinen Platz (auch wenn das im Einzelfall zu diskutieren ist). Der Höngger Fächer ist nicht partei­politisch festgelegt. Er ist eine Stimme im Konzert. Es gibt bereits gute Ansätze, aber es braucht mehr davon.

Langfristig möchte der Höngger Fächer helfen, digitale Vertriebskanäle für hochwertigen Journalismus aufzubauen. Auch deshalb wurde nicht das Modell der werbefinanzierten "kostenlosen" Information gewählt. Gute Information ist etwas wert. Selbst wenn wir zu Anfang auf öffentlich zugängliche Informationen verweisen, ist unser Ziel, Vereinbarungen mit Verlagen zu treffen und auch kostenpflichtige Inhalte anzubieten.

Im Moment sind wir noch am Anfang des Projekts. In der Vorbereitungs­phase präsentieren wir auf hoenggerfaecher.eu ein funktionales Skelett, d.h. einen klickbaren Entwurf, dem die Schönheit der Benutzeroberfläche ("skin") noch fehlt. Nur die Knochen sind da und lassen erkennen, wohin die Reise geht.

Hajo v. Kracht, 3. Apr. 2017